farbenfrohe_zukunft

e v e r y t h i n g ' s___c o n n e c t e d

4 – Konsum

Kommen wir nun zum Konsum, nachdem die ersten drei Schritte der Kette bereits immer wieder darauf verwiesen. Der Konsum, unser Konsum, ist, wie schon in der Ausführung zur Produktion beschrieben wurde, der elementarste Punkt, wenn es um Veränderungen von Produktionsweisen, Ressourcennutzung, Distribution und auch Entsorgung geht. Ich glaube, es ist am einfachsten, wenn ich es an einem – vor allem für uns deutsche noch sehr zeitnahem – Beispiel festmache:

Pferdefleisch in der Lasagne. Ich als Vegetarier hatte meine liebe Freude an diesem kleinen Medienspektakel. Nicht, dass ich mich über Konsumententäuschung lustig mache! Ich finde es abartig, was da veranstaltet wurde. Dasselbe gilt für „Gammelfleisch“-Skandale und jegliche andere Täuschung von Seiten der Industrie. Aber, und das ist ein großes aber, es war nichts Schädliches an diesem Fleisch. Es war für die Produktion einfach günstiger und für den Hersteller rentabler.

Ich persönlich sehe in einer Art von Fleisch zu einer anderen keinen allzu großen Unterschied, aber mir ist durchaus bewusst, dass so mancher Pferdenarr oder so manche Meerschweinchenliebhaberin mir widersprächen, wenn ich ihnen erzählte, dass ich ein Tier ihrer Lieblingsgattung verspeist und das auch noch genossen hätte, weswegen ich auch für einige – nicht alle – Reaktionen vollstes Verständnis hatte.

Dennoch wurde immer und immer wieder gesagt, wie schlimm diese Produzenten doch sind und dass sie bereits so profitgierig sind, dass sie schon auf billigeres Fleisch umsteigen. Doch der Punkt, der in den Nachrichten – anscheinend ebenso wie in den Köpfen der meisten Betroffenen – nicht angesprochen wurde ist der, dass es eine Perversion ist eine vollkommen fertig zubereitete Lasagne in der 500g-Packung für 99ct anzubieten. Jedoch ist es das, was wir als Konsumenten im Supermarkt erwarten. Günstige Produkte, die dennoch qualitativ hochwertig sind. Doch wie viel Qualität kann einem für 99ct geboten werden? Wenn ich 250g Tomaten von einem Bauern aus der Region kaufe, bin ich mit ca. 2Euro dabei. Doch in so einer Lasagne steckt ungefähr die doppelte Menge an Tomaten, zusammengekocht zu Tomatenmark und dann noch weiterverarbeitet.

Das soll nicht heißen: Selber schuld, lieber Konsument! Nein, da es absolut widerwärtig ist, einem Konsumenten zu sagen er kaufe ein bestimmtes Produkt, dabei kauft er nicht A, sondern B ohne es zu merken. Aber ich kann auch nicht erwarten, dass Hersteller, die von Konsumenten und Wettbewerb gezwungen werden bestimmte Dinge immer günstiger zu verkaufen, mir das Klasse 1A Biogemüse und das Klasse 1A Biofleisch in meiner 99ct Lasagne verarbeiten.

Das, worauf ich mit diesen Ausführungen hinaus möchte, ist dass wir als Konsumenten dazu beitragen, was, wie, wo und in welchem Umfang für uns produziert wird. Wir haben aus den Augen verloren, dass jedes Produkt das wir kaufen, tatsächlich für uns als statistischen Menschen hergestellt wurde. Für uns ganz persönlich. Im kleineren Rahmen können wir uns das vorstellen. Wenn wir in einem Jahr zu einem Bauern gehen und sagen: „Horst-Egon, ich hätte gern dieses Jahr zu Weihnachten eine Gans von dir.“ Dann wird Horst-Egon die Gans für uns pflegen, hegen, füttern und quasi „produzieren“. Wenn uns die Gans nicht schmeckt, zu klein ist, nicht unseren Vorstellungen entspricht, gehen wir nicht wieder zu Horst-Egon und dieser wird im nächsten Jahr eine Gans weniger produzieren, da wir nicht mehr sein Abnehmer sind.

Auf größerer Skala funktioniert das auch. Wir mögen es oft nicht glauben, aber unsere Kaufentscheidungen, unsere Nachfrage, entscheidet heute darüber, was morgen produziert wird – oder zumindest übermorgen. Wir sind nicht der Konsument, der vorgeschrieben bekommt, was er zu konsumieren hat, sondern wir haben die Macht über die Produzenten. Wir entscheiden, was wir konsumieren wollen und was dementsprechend produziert werden soll. Nur wenn wir uns dessen nicht bewusst sind, geben wir völlig unbewusst diese Macht ab und werden zu unreflektierten Konsumenten, die der Werbung glauben schenken, einem Hype hinterher rennen und die das Konsumieren, was eben produziert wird. Schließlich gibt es das ja nicht ohne Grund, oder?

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